Purabo: inaktiv

So soll es sicher nicht enden. Ziem­lich dröge sieht das aus, wie Daniel Stur­ridge da auf seinem grauen Samt­sofa sitzt und betrübt in die Kamera spricht: Über seinen You­Tube-Channel hat er nach Bekannt­gabe seiner Sperre ein State­ment abge­geben. In bester Klinsi-Manier ver­sucht der 30-jäh­rige Eng­länder, sich auf diese Weise zu erklären: ​„Es ist ver­hee­rend für mich, ich bin völlig ent­täuscht. Meine Saison ist vorbei und ich bin am Boden zer­stört.“ Was ist denn hier los?

Der Abstieg des einst gefei­erten Talents begann bereits in der Saison 2017/18: Stur­ridge kam beim FC Liver­pool nicht mehr ĂĽber den Joker­status hinaus. In ins­ge­samt 14 Sai­son­ein­sätze fĂĽr die Reds traf er drei Mal. Ein Win­ter­wechsel zum FC Sevilla stand kurz bevor. 

Und weil sich Stur­ridge der Sache offenbar ziem­lich sicher war, soll er seinen Bruder bei einem Wett­an­bieter auf seinen eigenen Ver­eins­wechsel haben wetten lassen. Insi­der­tipp nennt man das in den ver­rauchten Hin­ter­zim­mern von Wett­bĂĽros.

In den All­ge­meinen Wett­re­geln der FA heiĂźt es hierzu jedoch klar: ​„Es ist nicht erlaubt, Insi­der­infor­ma­tionen zu nutzen, um eine Wette zu plat­zieren oder eine Wette anhand dieser Infor­ma­tionen in Auf­trag zu geben.“

Also nahm die FA über einen unab­hän­gigen Regel­aus­schuss die Ermitt­lungen gegen Stur­ridge auf. Er selbst bestritt indes schon damals, einen Wett­be­trug begangen zu haben.

West Mid­lands statt Anda­lu­sien

Der Wechsel zum FC Sevilla kam letzt­end­lich ohnehin nicht zustande, der mut­maß­liche Plan der Stur­ridge-BrĂĽder folg­lich auch nicht. Statt­dessen wurde der Natio­nal­spieler Anfang 2018 an West Brom­wich Albion ver­liehen und kehrte nach einem halben Jahr zurĂĽck zu Liver­pool, wo er in 27 Ein­sätzen vier Mal traf. Auch diesmal meist als Joker. Den­noch durfte er sich im Juni 2019 Cham­pions League-Sieger nennen.

Zum Ende der Saison fiel dann das Urteil des unab­hän­gigen Regel­aus­schusses der FA. Man befand Stur­ridge für schuldig: sechs Wochen Sperre, vier davon auf Bewäh­rung. Wegen Ver­stößen gegen die Wett­re­gu­la­rien.

170.000 Euro Strafe

Zu wenig, schimpfte die FA, ging in Beru­fung und wandte sich an eine unab­hän­gige Beschwer­de­kammer. In der Zwi­schen­zeit wech­selte Stur­ridge in die Süper Lig zu Trab­zon­spor.

Anfang dieser Woche dann – 7 Monate nach seinem Wechsel – befand die Kammer den Eng­länder in zwei wei­teren Ankla­ge­punkten, in denen er zuvor frei­ge­spro­chen wurde, fĂĽr schuldig. Stur­ridge wird fĂĽr vier Monate gesperrt und muss eine Geld­strafe in Höhe von 170.000 Euro zahlen. Der Ver­trag bei Trab­zonpor wurde auf­ge­löst. Mitt­ler­weile hat auch die FIFA die welt­weite Sperre aner­kannt.

Man wird doch wohl noch?

Auf seiner grauen Samt­couch erzählt der 30-Jäh­rige seinen Fans nun, er wolle sich dafür ein­setzen, dass es Spie­lern doch wohl erlaubt sein müsse, mit ihren Fami­lien über das Geschäft zu spre­chen – auch über mög­liche Ver­eins­wechsel nach Sevilla.

AuĂźerdem mĂĽsse das Wetten auf Spie­ler­wechsel gestoppt werden. Zudem beteuert er: â€‹â€žI hadn’t bet“, er selbst habe eben nicht gewettet. Dann spricht er noch seinen Dank aus gegen­über allen Ver­ant­wort­li­chen von Trab­zon­spor und macht die Kamera aus.