Purabo: inaktiv

Helen Breit, am Wochen¬≠ende wurden bei Union Berlin, in Meppen und in Hof¬≠fen¬≠heim Spiele unter¬≠bro¬≠chen, weil Fans Hof¬≠fen¬≠heims M√§zen Dietmar Hopp als ‚Äč‚ÄěHuren¬≠sohn‚Äú bezeichnet hatten. Seitdem wird viel durch¬≠ein¬≠ander dis¬≠ku¬≠tiert. Um was geht es eigent¬≠lich: Um Hopp? Die Ver¬≠ro¬≠hung der Sprache? Dis¬≠kri¬≠mi¬≠nie¬≠rung? Belei¬≠di¬≠gung? Die Fans? Den DFB?
Es gibt in der Dis­kus­sion mitt­ler­weile sehr viele Ebenen, das stimmt. Also, von vorne: Der vor­he­rige DFB-Prä­si­dent Rein­hard Grindel hatte 2017 Kol­lek­tiv­strafen gegen Fuß­ball­fans aus­ge­setzt. Bei Ver­gehen ein­zelner Fans sollten nicht mehr alle Anhänger eines Ver­eins in Sip­pen­haft genommen werden. Es war ein Angebot der Dees­ka­la­tion im schwe­lenden Kon­flikt zwi­schen Fans und Ver­band. Ein gutes Zei­chen. Vor etwa zwei Wochen aber ent­schied das DFB-Sport­ge­richt, eine Bewäh­rungs­strafe gegen Dort­munder Fans zu wider­rufen.

Helen Breit

Die 32-J√§h¬≠rige ist Vor¬≠stands¬≠mit¬≠glied der Inter¬≠es¬≠sen¬≠ge¬≠mein¬≠schaft Unsere Kurve, ein ver¬≠eins¬≠√ľber¬≠grei¬≠fender Zusam¬≠men¬≠schluss der orga¬≠ni¬≠sierten Fu√ü¬≠ball¬≠fans in Deutsch¬≠land. Sie ist Teil der aktiven Fan¬≠szene des SC Frei¬≠burg.

Die Ent­schei­dung bedeutet, dass alle Anhänger des BVB bis 2022 Sta­di­on­verbot in Hof­fen­heim haben.
Klar war schon vor dem Spieltag, dass Fans ‚Äď nicht nur Dort¬≠munder ‚Äď dagegen pro¬≠tes¬≠tieren w√ľrden. Und so kam es.

Erkl√§ren Sie uns: Warum m√ľssen Fans eine ein¬≠zelne Person als ‚Äč‚ÄěHuren¬≠sohn‚Äú ver¬≠un¬≠glimpfen, um gegen Kol¬≠lek¬≠tiv¬≠strafen zu pro¬≠tes¬≠tieren?
Nat√ľr¬≠lich sind diese Belei¬≠di¬≠gungen stumpf und unan¬≠ge¬≠messen. Es ist nicht meine Wort¬≠wahl, und ich finde, man sollte sich auch dar¬≠√ľber unter¬≠halten, ob man jemanden per¬≠s√∂n¬≠lich so abwerten muss. Aber ich kann diese Rhe¬≠torik auch nach¬≠voll¬≠ziehen. Viele Fans haben den Ein¬≠druck, dass sie nur geh√∂rt werden, wenn sie drauf¬≠hauen.

‚ÄěHopps Gedanke war stets: Ich tu doch nur Gutes. Das ist sehr absolut.‚Äú

Man muss pro­vo­zieren, um Auf­merk­sam­keit zu bekommen?
Dietmar Hopp steht f√ľr einen Fu√ü¬≠ball, den aktive Fans und Ultras ablehnen. Er hat als M√§zen eines Ver¬≠eins die 50+1‚ÄĎRegel aus¬≠ge¬≠h√∂hlt und ist eines der Sym¬≠bol¬≠bilder der fort¬≠schrei¬≠tenden Kom¬≠mer¬≠zia¬≠li¬≠sie¬≠rung im Fu√ü¬≠ball. Viele Fan¬≠szenen haben sich anfangs sach¬≠lich mit ihm und seinem Pro¬≠jekt aus¬≠ein¬≠an¬≠der¬≠ge¬≠setzt. Sie haben Flyer vor Spielen ver¬≠teilt, dif¬≠fe¬≠ren¬≠zierte Bei¬≠tr√§ge auf Home¬≠pages ver¬≠fasst oder Info¬≠ver¬≠an¬≠stal¬≠tungen orga¬≠ni¬≠siert. Aber das Echo war ern√ľch¬≠ternd, den meisten Medien war das Thema viel zu sperrig, um Schlag¬≠zeilen daraus zu gene¬≠rieren. Der aktu¬≠elle Fall zeigt: Je pla¬≠ka¬≠tiver man p√∂belt, desto mehr √Ėffent¬≠lich¬≠keit bekommt man. Sicher, einige Medien emp√∂ren sich nun reflex¬≠artig, aber zuletzt sind auch einige Berichte erschienen, die das Geschehen gut und richtig ein¬≠ordnen.

Anti-Hopp-Pla¬≠kate gibt es seit 2008. Selbst das Banner, das Hopp im Faden¬≠kreuz zeigt, ist √ľber zehn Jahre alt. Was hat der Mann falsch gemacht in dem Kon¬≠flikt?
Hopp sagt, dass er sich mal mit aktiven Fans zusam­men­ge­setzt hat. Er hat aber nicht ver­standen, was sie an ihm kri­ti­sierten. Sein Gedanke war immer: Ich habe nie­mandem etwas getan, ich tu doch nur Gutes. Das ist sehr absolut.

H√§tte er gelas¬≠sener auf die Anfein¬≠dungen reagieren m√ľssen?
Er hätte mit ein wenig Selbst­re­fle­xion die Schärfe aus der Debatte nehmen können. Aber Hopp war offenbar nicht an einer Lösung des Pro­blems inter­es­siert. Statt­dessen wurde der Kon­flikt immer wieder akti­viert. Zum Bei­spiel durch die Straf­ver­fol­gung ein­zelner Fans.

Die TSG Hof­fen­heim setzte im Sta­dion Richt­mi­kro­fone ein, um Fans zu finden, die Hopp belei­digten.
Ein anderes Mal ließ der Verein mit einer Schall­ka­none Stör­ge­räu­sche erzeugen, wenn geg­ne­ri­sche Fans sangen. Die Bot­schaft: Ihr könnt alle so laut schreien, wie ihr wollt, ich bin am Ende der Lau­teste.